Attraktionen


Die Besucher des Historischen Volksfests dürfen sich auf zahlreiche Attraktionen und Klassiker der Festplätze freuen, die teilweise auch kaum noch zu sehen sind. 

Kinder-Hängekarussell

1905 von Anton Wittmann gebaut, wird das Karussell heute durch dessen Ur-Enkel Karl-Heinz Wittmann in der vierten Generation betrieben. Ein besonderer Blickfang sind die im Schwarzwald aus russischem Rot-Edelholz geschnitzten Pferdchen. War es früher bei den Karussells üblich, diese im barocken Stil zu gestalten, so ist das Aussehen des Kinder-Hängekarussells von davon trabenden Wildpferden geprägt.

Und auch die Bemalung hat eine beeindruckende Geschichte zu erzählen. Das Karussell überlebte zwei Weltkriege, den zweiten jedoch nur dadurch, dass es vergraben wurde. Als es wieder zu Tage trat waren die Malereien doch sehr in Mitleidenschaft gezogen. Opa Wittmann hatte einen guten Freund, den Maler Josef Wallner. Dieser wiederum hatte in der Kriegsgefangenschaft Freundschaft mit Walt Disney geschlossen, so dass er unentgeltlich die Erlaubnis bekam, das Karussell mit Disney Zeichentrickfiguren zu verzieren. 


Russische Luftschaukel

Knapp 13 Meter hoch und ein Durchmesser von sieben Meter – das waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts die beeindruckenden Ausmaße der ersten reisenden Riesenräder. Anders als stationäre Konstruktionen, wie das weltberühmte Riesenrad im Wiener Prater, zeichneten sich diese weniger durch ihre Höhe, als umso mehr durch die für die damalige Zeit „enorme“ Drehgeschwindigkeit aus.

Im Zarenreich sollen solche Räder bereits im 17. Jahrhundert im Einsatz gewesen sein, weswegen sie auch den Namen „Russische Luftschaukel“ oder „Russenrad“ bekamen. Das älteste und wohl schönste Schaukelrad auf Reisen ist die im Jahre 1902 von der Fa. Bothmann / Gotha gebaute „Russische Luftschaukel“, die von Werner Feldmann, Schausteller in der sechsten Generation, betrieben wird.


Schwanenflieger

Bevor der „Schwanenflieger“ der Familie Hahn-Roschmann in einen längeren Dornröschenschlaf fiel, stand die Attraktion in der Nachkriegszeit auf dem Wasen. Zum Typ der Kettenflieger gehörend, hat das Geschäft seinen Namen von den zwei großen Schwänen, die ebenfalls als Gondeln dienen.


Raupenbahn

Sie ist nicht nur aufgrund ihrer Größe ein Hingucker, sondern hat auch eine bewegte Geschichte: die Raupenbahn von Peter Buchholz. Opa Buchholz fand sein 1926 gebautes Fahrgeschäft nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Gefangenschaft kommend in den Trümmern vor, getroffen von einer Fliegerbombe. Doch er ließ sich davon nicht unterkriegen und baute die Raupenbahn wieder auf. Dabei bediente er sich an den Rädern ausgebrannter Panzer, so dass die Gondeln seitdem auf Panzerrädern fahren.  

Ihren Namen hat die Raupenbahn übrigens einer besonderen Erfindung zu verdanken. Denn Jahrmärkte waren schon immer ein Ort, der gerade auf Liebespaare seinen Reiz ausübte. Um das von der Kirche verbotene Küssen in der Öffentlichkeit zu ermöglichen, wurden die Gondeln gegen Ende der Fahrt für einige Sekunden durch einen Überwurf geschützt. Die Bahn wirkte dann optisch wie eine Raupe. Ein Prinzip, das natürlich auch heute noch funktioniert.


Fahrt ins Blaue

Berg- und Talbahnen sind bis heute nicht von den Festplätzen wegzudenken. Ob als sog. Musik-Express oder in anderer Form – das Prinzip ist seit ihrer Erfindung in den 1890er-Jahren bis auf kleinere technische Anpassungen immer das gleiche. Der Name der Attraktion rührt daher, dass die Wagen über mehrere Erhebungen, also über „Berg und Tal“, fahren.


Historischer Autoskooter

Große Kirmestradition haben die Selbstfahrergeschäfte. Ihr Name kommt daher, dass das Publikum auf Fahrzeugen mit eigenem Antrieb, sog. Selbstfahrern, auf einer begrenzten Fahrbahn die Fahrtrichtung selbst bestimmen kann. Gab es in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch das ein oder andere Experiment ist davon bis heute vor allem ein Klassiker übrige geblieben: der Autoskooter. Diese funktionieren nach wie vor unter dem üblichen Prinzip. So ist unterhalb der gesamten Dachkonstruktion ein stromführendes Netz eingespannt. Am Heck der Wagen befinden sich senkrechte Stangen mit Stromabnehmerbügeln, die gegen das Netz gedrückt werden und so die Motoren mit Strom versorgen. Den Minuspol bilden die Stahlplatten der Fahrbahn.

Waren die Skooterwagen zu Beginn in erster Linie für eine Person ausgelegt, die diese steuerte, so kamen später die – besonders bei Liebespaaren beliebten – Modelle mit zwei Sitzen in Mode. Und was trug zur weiteren Beliebtheit bei? Das Vergnügen besteht sicher darin, mit den Wagen anderer Fahrgäste zusammenstoßen zu können. Erfunden in den USA, prägten hierzulande vor allem Firmen aus dem Südwesten die Entwicklung. Auf dem Schlossplatz wird während des Historischen Volksfestes ein echtes Unikat aufgebaut: ein Autoskooter aus den 1930er-Jahren konstruiert von der Firma Mack aus Waldkirch und liebevoll restauriert von Uwe Kircher.


Nostalgisches Pferdekarussell

Ein wahres Schmuckstück und ein Traum für alle Kinder ist das nostalgische Pferdekarussell von Toni Schleifer junior. Doch nicht nur das: Das Fahrgeschäft ist ein wahres Zeugnis deutscher Jahrmarktgeschichte.

Schleifer’s Carouselle – Gruß vom Kirmestrubel! So steht es auf der ältesten erhaltenen Fotografie des Karussells, vermutlich entstanden um das Jahr 1900. Dessen Hersteller sowie das genaue Baujahr sind leider nicht bekannt. Nach mündlicher Überlieferung wurde es wohl vor 1880 gebaut, denn seitdem ist es im Besitz der Familie Schleifer und das auch weitestgehend in seinem ursprünglichen Zustand. Lediglich in den 1930er-Jahren wurde es elektrifiziert. Der damals eingebaute Motor mit Salzwasseranlasser verrichtet bis heute zuverlässig seinen Dienst. 


Geisterbahn

Die Geisterbahnen gehören traditionell seit einem Jahrhundert zu den klassischen Fahrgeschäften auf Volksfesten und Rummel: Seit mittlerweile weit über 50 Jahren lehrt "Schneiders-Geister-Express" die Kirmes-Besucher das Fürchten. Grusel-Fans dürfen sich auf das nostalgische Flair, gesteuerte Horror-Visionen und neue Attraktionen sowie allerlei schaurige Ereignisse "aus der guten alten Zeit" freuen. Wer sein Herz vor Angst gerne rasen hört und mit schlotternden Knien aus dem Fahrgeschäft steigen möchte, darf sich die Geisterbahn der Familie Schneider aus Lippstadt auf keinen Fall entgehen lassen.


…und viele weitere tolle Kirmes-Attraktionen…

… wie eine gigantische Schiffschaukel, Hau den Lukas oder Entenageln…

Floh-Circus

Ein Erlebnis für alle Generationen ist der „Original Floh-Circus“ der Schaustellerfamilie Robert Birk. Eigentlich im Herbst nur auf dem Oktoberfest zu bewundern, können die Stuttgarter dieses einmalige Erlebnis der Fußball spielenden oder Sprintduelle führenden echten Flöhe auf dem Schlossplatz bestaunen. Dafür züchtet Robert Birk extra einen zweiten Stamm an Katzenflöhen auf und dressiert diese. Ernährt werden die kleinen Protagonisten übrigens noch althergebracht: Birk setzt immer 20 Stück auf seinen Arm und lässt sie saugen.



Eliszis Hutwurfbude

Sie ist mehr als 100 Jahre alt und eine der letzten noch original erhaltenen Hutwurfbuden. Bis in die 1960er-Jahre stand dieses 1880 erbaute Unikat auf dem Cannstatter Wasen.


Nostalgie-Schießbude

Ein Dauerbrenner auf den Festplätzen ist seit jeher die Schießbude. Seit mehr als 25 Jahren betreibt die Schaustellerfamilie Melcher aus Clabe an der Saale ihre „Nostalgie-Schießbude anno 1955“. Das Geschäft ist als altdeutsches Fachwerkhaus dekoriert und die Kleidung des Personals entspricht der Mode der 1960er-Jahre. Die Gebrüder Marcel und Mirco Melcher bieten Pyramiden-, Sternen-, Scheiben-, Hasen-, Röhrchen- und Kartenschießen an. Zu gewinnen gibt es unter anderem nostalgische Papierblumen.


Ballwurf-Bude

Das Schaustellergewerbe hat sich im 19. und 20. Jahrhundert kontinuierlich verändert. Waren es Anfangs Einrichtungen wie Karussells und Schaukeln, die das Publikum begeisterten, so kamen später Schießstände und reisende Artisten hinzu. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden noch heute beliebte Attraktionen wie der Toboggan oder die Ballwurfbude Teil der Feste.

Früher auch "Büchsenwerfwagen" genannt ist die Wurfbude von Thomas Feldmann ein echtes nostalgisches Schmuckstück und wartet mit drei Wurfplätzen für die Festbesucher auf. Die beliebte Ballwurfbude wurde in den 1920er Jahren erbaut und ist seitdem mit ihrer liebevoll bemalten Fassade ein echter Hingucker auf jedem Festplatz. Ein traditionsreiches Schaustellergeschäft, das auf dem Schlossplatz sicher den ein oder anderen Besucher an seiner Zielgenauigkeit zweifeln lassen wird.

 

 

Sie sind die Zeitzeugen der Volksfest-Geschichte: die Postkarten. Ist es heutzutage üblich, Familie und Freunden digital, quasi in Echtzeit von seinen Erlebnissen zu berichten, so war es früher guter Brauch einen „Gruß vom Cannstatter Volksfest“ zu verschicken. Unterschiedlichste Postkartenmotive aus allen Jahrzehnten belegen das und zeigen wie es damals auf dem Wasen aussah. Die Besucher konnten diese direkt vor Ort im „Historischen Postamt“ auf dem Wasen erwerben und auch gleich von dort versenden. Gemeinsam mit der BWPost wird dieser gute Brauch beim Historischen Volksfest zum Leben erweckt, so dass jeder Gast einen „Gruß vom Historischen Volksfest“ an seine Liebsten verschicken kann.