Gaukler & Künstler


Das Historische Volksfest 2022 möchte die 200-jährige Geschichte aufgreifen und in vielfältiger Form lebendig werden lassen. So waren es in den ersten Jahrzehnten vor allem die Gaukler, Quacksalber, Seiltänzer oder Drehorgelspieler, die für beste Unterhaltung auf dem Wasen sorgten und dies auch anlässlich des großen Jubiläums nun in der Innenstadt machen.

Gaukler

„Saltimbanque“ bedeutet „Salto über eine Bank“, also Gaukler. Gilbert Jakubczyk bezeichnet sich selbst als ehrlichen Scharlatan. Seit seinem 13. Lebensjahr arbeitet er als Gaukler auf der Straße von Paris. In den 60 Jahren hatte er eine Gaukler-Truppe und begeisterte sein Publikum vor dem Centre Pompidou. Anfangs als Pantomime, später als Automatenmensch. Mit dieser Nummer war er weltweit bekannt und Ausschnitte aus dieser nostalgischen Aufführung wird er auf dem Historischen Volksfest zeigen und selbstverständlich wird er – nach Gaukler-Manier – auch Feuer spucken.

Er ist der jüngste der Compagnie und dennoch ein Meister der Objektmanipulation mit unglaublicher Fingerfertigkeit. Er kreiert mit nur vier weißen Ringen optische Täuschungen. Durch Rotation entstehen immer wieder neue Kunstwerke in der Luft, welche die Phantasie der Zuschauer beflügelt. Eine Kristallkugel tanzt bei ihm wie von einer magischen Kraft bewegt. Paul Klain nimmt sie mit auf eine Reise, durch eine Welt, die sich der Schwerkraft entzieht. Freuen sie sich auf ein visuelles Erlebnis der ganz besonderen Art. Poesie pur!

Fakir Jadoo from India ist ein Straßengaukler, den es auf mysteriöse Art und Weise von seinem Heimatland Indien auf die schwäbische Alb verschlagen hat. Fakir Jadoo ist als Straßenkünstler im In- und Ausland unterwegs. Sein Markenzeichen „der Coconut-Voodoo-Act“ ist eine absurdes Fakir-Kunststück aus Wunderheilung mit einer Banane, einem Hackebeil und drei echten Kokosnüssen. Scherbenlaufen und Speer an der Kehle oder Glühbirnenfressen gehören genauso zum Programm wie Feuer verspeisen.

Er gehört in die Tradition der starken Männer. 1983 bog er in Luxemburg 250 eiserne Nägel von 20 cm Länge und 7 mm Durchmesser in V-Form. Im Guiness-Buch der Rekorde führt der starke Mann die Rekordliste an. Mit bloßen Händen zerreißt er ein Telefonbuch oder verbiegt ein Hufeisen und mit seiner starken Lunge bringt er handelsübliche Gummi-Wärmflaschen zum Bersten. Freuen Sie sich auf diese Jahrmarktsattraktion.

Luftballons dürfen auf keinem Volksfest fehlen, flaniert es sich doch mit so einem bunten Schmuckstück am Handgelenk noch viel schöner an all den Attraktionen und Buden vorbei. Ob klassisch rund oder in Einhorn- oder Mäuseform, Michael Spengler hat für jeden Geschmack etwas im Sortiment. Seine große Auswahl an Ballons und Spielwaren lässt sicher nicht nur Kinderherzen höher schlagen.

Eine dreidimensionale Reise rund um die Welt und in ein längst vergangenes Jahrhundert erleben die Besucher:innen bei Ralph Hohmann. Wer durch seine nostalgischen Stereoskope guckt, taucht in Straßen, Plätze und Orte ein, die zum Teil heute nicht mehr exisitieren. Bei seinen sogenannten "Holmes"-Stereoskopen, die 1861 von Oliver Wendell Holmes entwickelt wurden, nimmt das Bild das gesamte Blickfeld der Schauenden ein und vermittelt ihnen so den Eindruck, tatsächlich am Ort des Geschehens zu sein. Damals wurden hauptsächlich exotische Reiseziele gezeigt, die für den Normalbürger unerschwinglich waren. Zum Historischen Volksfest bringt Ralph Hohmann jedoch auch Bilder vom historischen Stuttgart mit, sodass die Besucher:innen hautnah erleben können, wie etwa der Schlossplatz früher ausgesehen hat.

Künstler

Mit der Hochseiltruppe Geschwister Weisheit® dürfen sich die Besucher des Historischen Volksfestes nicht nur auf eine der traditionsreichsten, sondern auch auf eine der berühmtesten Hochseilartisten-Familien der Welt freuen. Neben ihren modernen Shows war es der Familie immer ein Anliegen, ihre mehr als 100-jährigen Geschichte und die Wurzeln des Seiltanzes an die jüngeren Generationen weiter zu vermitteln.

Aus Anlass einer Jahrfeier geboren, ist Programm „Anno dazumal“ mittlerweile beliebter Bestandteil vieler Veranstaltungen geworden so auch des Historischen Volksfestes. Sehr humorvoll mit einem Augenzwinkern und dennoch leistungsstark, überrascht es jung wie alt. Das Publikum erwartet ein humorvolles historisches Seilprogramm in vier Meter Höhe mit Höhepunkten wie der Überquerung des Seiles mit einem Veloziped, das Stuhlstehen, das Eierkuchenbacken auf dem Seil oder die „menschliche Pyramide“. Die Programmbegleitung erfolgt nach altem Brauch mit Drehorgel und Sprechtüte.

Wahrsagen, Kartenlegen, Handlesen – das darf seit jeher auf keinem Rummel fehlen. Madame Odessa hat ihre Begabung in die Wiege gelegt bekommen. Seit 20 Jahren bereist sie – die mit bürgerlichem Namen Renee Traber heißt und aus einer Artistenfamilie stammt – Volksfeste, Jahrmärkte und Messen. Eines ist dabei sicher: Für jede spirituelle Lebensberatung nimmt sie sich immer die Zeit, die es braucht. Darum treten Sie ein!

Die Drehorgel ist nicht nur ein Stück Kultur- und Musikgeschichte aus vergangenen Zeiten sowie Vorläufer der heutigen elektronischen Musikwiedergabemöglichkeiten. Ihre Klänge waren besonders in den Anfangsjahrzehnten fester Bestandteil des Cannstatter Volksfestes. Denn viele Moritaten und Volkslieder stammen aus der Biedermeierzeit zwischen 1815 und 1848.

Sog. Bänkelsänger musizierten damals als Straßenmusikanten auf Jahrmärkten, Straßen oder in Hinterhöfen mit ihrer Drehorgel. Der Gesang diente dazu, Nachrichten zu übermitteln oder die Menschen zu unterhalten. Mit eingängigen Melodien stellten sie sensationelle Ereignisse dar – meist übertrieben, drastisch, schaurig, nur teilweise oder gar nicht wahr. Oftmals folgte zum Schluss eine moralische Belehrung. Zur Illustration des Gesungenen dienten Tafeln, auf denen die geschilderten Szenen in künstlerisch wertvoller Manier und sehr bunt aufgemalt waren. Um die Spannung zu erhöhen, waren diese Bilder aber nicht chronologisch aufgereiht, sondern durcheinander und der Sänger wies mit einem Stock auf das Bild, das gerade dran war.

Beim Historischen Volksfest nehmen Rosi und Frithjof Grögler die Besucher mit auf eine lebendige Reise in die Zeit der Moritaten.